Marshall 1974xxx

So, dann schaun wir mal was man aus einem Marshall 18Watt Reissue machen kann.

Peters Amp bekommt das volle Programm:

  • Mercury Magnetics Radio Spares Netztrafo
  • Mercury Magnetics Radio Spares Ausgangsübertrager
  • Cap Job
  • NOS Vorstufenröhren
  • Neue Endstufenröhren
  • Vintage Celestion G12M Speaker

Sobald die Trafos kommen gehts los, stay tuned.....

 

Der erste Eindruck ist schon nicht schlecht! Alles sehr sauber Point-To-Point verdrahtet, ordentliche Bauelemente, keine offensichtlichen Fehler im Aufbau (soll ja vorkommen bei manchen Reissue Verstärkern ;).

Und los gehts!

Hier mal die Netztrafos im Vergleich:

Rechts der moderne Dagnall im schicken Plastikmäntelchen und links der Radio Spares Nachbau von Mercury Magnetics.

Und hier sind die beiden Freunde schon montiert.

 

Der Cap Job ist bei den Handwired Marshalls nicht nötig, die verwendeten Bauteile sind von guter Qualität.

 

Auch der Ruhestrom der Endstufenröhren ist mit rund 43mA richtig gewählt, das Pärchen matcht gut und die Emmissionswerte aller Röhren sind im grünen Bereich.

Soundcheck: der 1974x ist ja an sich schon nicht sooo schlecht. Umsomehr beeinruckt die luftigkeit des Tons mit den Mercury Trafos. Alles ist viel lebendiger und dynamischer. Unglaublich!

Für alles Weitere hab ich den Peter in die Werkstatt eingeladen. Ist sein Verstärker, er entscheidet über die weiteren Modifikationen.

Peter packt seine ES335 aus und ist sofort begeistert, die ES war am 1974X eher problematisch. Mit der Tele hat er sich besser vertragen, sagt er.

Aber jetzt ist der Ton viel differenzierter und durchsichtiger, und mit dem Halstonabnehmer singt und bluest es zuckersüß.

Zuerst probieren wir verschiedenen Vorstufenröhren, eine Siemens, eine Mullard und eine Brimar testen wir immer wieder abwechselnd. Peter entscheidet sich für die Mullard im ersten Kanal, die ist ein bisschen runder. Die Siemens klingt eher rauher und ungehobelt. Die passt besser im Tremolo-Kanal. Im Phasendreher bleibt die mit Marshall gelabelte Röhre aus Rußland.

Weiter gehts mit den Endstufenröhren. Als Alternative zu den russischen Marshall Röhren probieren wir chinesische und tschechische EL84 vom TAD.

Der Unterschied ist bei den EL84-CZ wirklich kaum hörbar, die chinesischen EL84-STR passen dagegen eher nicht zum Marshall. Also bleiben die Originalröhren drin.

Zum Schluß kommen wir zum Speaker. In zwei 1x12 Boxen hab ich einen Pre-Rola G12M T1221 und einen Silver Alnico T1088 montiert. Mehrmals stecke ich die drei Boxen um während Peter spielt und lauscht. Schnell wird klar daß der Heritage G12M einfach zu kratzig klingt. Dagegen fällt die Entscheidung zwischen Alnico und Ceramic nicht leicht. Beide klingen super, der Greenback eher rotzig und der Bulldog mittiger und runder. Peter entscheidet sich für den Grünen, der passt besser zur 335 und bei der Tele nimmt man die Höhen dann ein bisschen raus.

Leider hab ich beim Testen keine Fotos gemacht, ich war einfach zu beschäftigt und habs vergessen.

Aber viel wichtiger ist das Ergebnis von dem auch ich überrascht war. Klar, der ganze Spaß ist mit 750 Euro nicht ganz billig, aber Peter hat völlig Recht wenn er sagt: "Zu teuer ist es nur wenn man am Ende nicht zufrieden ist!".

Und Peter hat nicht wirklich einen unzufriedenen Eindruck gemacht als er sich verabschiedet hat.

Hier die Email vom Peter, noch aus der gleichen Nacht:

 

Servus Captain,
jetzt noch zur späten Stunde, zweites Resultat - mir fehlen die Worte!
Hab jetzt nur mit der ES gespielt, aber die Dynamik und das Leben was nun der Amp hat - Wahnsinn!
Als verschmelzen Verstärker und Gitarre auf einmal. Hab den Amp auf drei Uhr und hau in die Saiten: fetter dreckiger sound; streichle ich darüber - wunderschön clean, schimmernd! Und dieses schöne Kippen in das Feedback, herrlich!

Was soll ich noch schreiben, bin einfach begeistert. Schon lustig, dass ich den Marshall Anfangs noch in Zahlung geben wollte und jetzt das hier. Da kommt mein Handwired Fender 57 Twin schon etwas langweilig daher.
Dickes Danke nochmal!
Nicht billig, aber absolut lohnenswert - und wie man in der Story raushört, Service vom Feinsten - testen und vergleichen so lang man will plus lecker flüssig Nahrung. 
Und der zweite Kanal mit der Siemens gefällt auch richtig, richtig gut.
Nur zum weiter empfehlen! 
Nochmals Danke und Grüße
Peter
Ps: Leider habe ich das dumme Gefühl, dass dies nicht mein letzer Besuch war. ;)