Blonde Twin

Ich hab ja schon einiges gesehen, aber das Fragment das der Ben hier vorbeigebracht hat toppt sie alle:

Dieser 76er Fender Twin Reverb muß die letzten Jahre in der Isar verbracht haben. Das Gehäuse ist völlig morsch und das Tolex hängt in Fetzen. Bei einem Speaker fehlt die halbe Membran und der andere ist fest. Und in der Hallspirale wohnt das Grauen.

Aber da darf man den Sand nicht in den Kopf stecken!

Folglich entsteht aus diesem Haufen Schrott ein Blonde Blackface Twin.

 

Denn wenn man schon eine neues Gehäuse braucht, warum dann nicht was schönes? Also Blond Tolex und passend eine Blackface Front.

Natürlich wird auch die Schaltung angepasst und die Schallwandlung übernehmen zwei Weber High Power Ceramic Chicago 12.

So, nach einer etwas längeren Lieferzeit ist nun endlich das Gehäuse vom TAD angekommen. Supersauber mit Rough Blonde tolex bezogen und astrein den Oxblood Grillcloth aufgespannt. Sehr schön, solide Arbeit. Flugs sind die beiden Chicagos eingebaut und verdrahtet.

 

Dann kümmern wir uns mal um das Chassis. Die Silverface Frontplatte ist recht schnell gegen die Blackface ausgetauscht.

Der Master Volume Regler mit dem Push-Pull Gedöns muß natürlich entfernt werden, aber der war dem Klang eh nicht zuträglich.

Dann bekommt der Amp einen Cap Job, und zwar ALLE Caps, auch die in der Vorstufe und in der Biasspannungserzeugung.

Der Reverbtrafo ist leider durchgebrannt und muß ersetzt werden, genauso wie die Hallspirale und die Kabel, aber das gibts ja auch alles beim TAD.

 

Ein bisschen mehr Arbeit ist dann der Umbau auf die AB763 Schaltung mit allen Änderungen im Phasendreher, im Netzteil und bei der Biaserzeugung.

Dann gibts noch zwei Extras: Hall und Vibrato sollen auf beiden Kanälen funktionieren und der Intensity Regler wird durch ein Schaltpoti ersetzt. Damit kann man das Vibrato vom Signalweg trennen und boostet das Gain. Da macht der Twin gleich Crunch!

Und dann das Wichtigste: Wie klingt er?

All die Maßnahmen haben natürlich ihre Wirkung nicht verfehlt. Der Amp ist dermaßen straff im Ton und bringt eine Dynamik daß man eigentlich Doppelklebeband in den Schuhen braucht. Die Weber sind ein Mittelweg zwischen JBL D120 und alten Jensens, sehr tight im Bass und trotzdem mit den schimmernden Höhen die ein Twin haben soll.

Und zum Schluß noch ein paar hübsche Bilder.

Ich hab mir den Amp als Schnäppchen übers Internet bestellt und zu schicken lassen. Beim Auspacken war dann das Entsetzen und die Enttäuschung groß.Wie auf den Fotos zu erkennen, war der Amp unspielbar und eigentlich bereit für den Müll. Glücklicherweise hab ich dann Captain Körg gefunden und habe den Amp vorbei gebracht und nun ist etwas sehr schönes rausgekommen.

Der Amp ist dank des neuen Gehäuses ein echt chices Teil geworden. Und auch mit dem Sound bin ich mehr als zufrieden. Sehr klar und durchsetzungsfähig, aber die nervend oder schrill. Auch Tremolo und Reverb funktionieren wieder wunderbar und machen das ganze noch schön rund. Auch wegen der Flexibilität und dem Zusammenspiel mit Effektgeräten einer der besten Amps, die ich bis jetzt gespielt habe.
Ich hätte nach dem Auspacken nicht gedacht, dass da noch irgendein Ton rauskommt. Vielen Dank für diese Restauration und den tollen Amp.

 

Ben

Wie ihr seht kann man sogar diesen nahezu aussichtslosen Fall in einen tollen Amp verwandeln.

Wenn auch in Deinem Keller eine Leiche steht, ruf mich an!