Centerfolds

Im November präsentieren wir euch zwei unserer Kreationen.

Der Captain Brown Reverb Amp ist die Reinkarnation des Vibroverb Amps mit der 6G16 Schaltung. Das war der erste Verstärker aus Fullerton mit eingebautem Federhall. Nur etwa 500 Stück sind 1963 entstanden, das macht ihn unter Sammlern sehr beliebt und sehr teuer. Wenn man überhaupt ein gut erhaltenes Exemplar findet muß man mindestens zehn Riesen anlegen. Für den Jan haben wir im Rahmen des Captain Treasure Quest vor ein paar Jahren einen aus Tokio importiert.

Die Schaltung haben wir exakt übernommen incl. der tapped Treble-Potis, des Bias-Tremolos und der ungewöhnlichen Einkoppelschaltung für den Reverb, die den Amp so unglaublich dynamisch macht.

Der hier abgebildete Amp ist eine Sonderanfertigung mit Tweed-Bezug, einer verchromte Frontplatte, einem NOS Schumacher Ausgangsübertrager und zwei alten Jensen C10N Speakern von 1965.

Angelehnt ist die Captain S-Type SixtyOne, die wir für den Mike gebaut haben. Er wollte ausdrücklich KEINE Gary Moore-Kopie, sondern eine möglichst authentische Einundsechziger Slabboard in  Fiesta Red.

Die beiden Sahnestückchen ergänzen sich hervorragend zu einem perkusiven, schmatzenden Ton, der nur so aus den Lautsprechern herausspringt.

 

Im Oktober stelle ich euch einen Bass vor, wie ihr ihn vermutlich noch nie gesehen habt. Dieser 61er Fender Precision Bass wurde in der seltenen Custom Color Daphne Blue lackiert. Von der Farbe ist allerdings nicht mehr viel zu sehen, nach hunderten von Gigs kann man das blau nur noch erahnen. In der Halstasche, unter dem Pickguard und unter der Neck Plate ist sie noch schön frisch, ansonsten entweder vergilbt oder abgewetzt.

Relic nennt man das heute, nachmachen kann man es nicht.

Der Bass stammt aus 2. Hand und wurde von 1968 bis Ende der Achziger Jahre in mehreren Bands live gespielt. Unter anderem 1972 mit den Sunday People bei einem Auftritt in Ilja Richters DISCO, davon gibt es ein Video auf YouTube.

Angelehnt ist er an einen 68er Marshall JMP50 und einer 8x10" Box.

Mit den dreien kann man reichlich Spaß haben!

 

Für die Miss September hab ich ein schönes Pärchen von 1976 ausgesucht.

Fangen wir diesmal mit dem Verstärker an, ein Orange OR80R aus meiner privaten Sammlung. Die Combo-Version ist relativ rar, es gibt wesentlich mehr Topteile am Markt. Aber auch da sind die meisten OR120 mit 4 EL34 Endstufenröhren. Beim OR80 haben sie zwei weggelassen, die Trafos haben allerdings die gleiche Größe und sind somit reichlich überdimensioniert. Wirklich rar ist allerdings der eingebaute Federhall. Das gabs tatsächlich nur beim Combo, im Topteil ist kein Platz für die Hallspirale. Der Amp ist ein echter Rocker, mit den beiden G12H Blackbacks wildert er im Bluesbreaker-Revier.

Die angelehnte Gibson Les Paul Artisan teilt ihr größtes Problem mit dem Verstärker: Übergewicht. Der Combo ist halb so schwer wie ein Reiheneckhaus, und auch die Paula bringt knapp über 5 Kilo auf die Waage.

Aber abgesehen davon ist das eine sensationelle Gitarre. Die teuerste Version der Les Paul Custom hat Mother-Of-Pearl Einlagen im Ebenholzgriffbrett und auf der Kopfplatte und trägt das pre-war Logo aus den dreißiger Jahren. Die meisten wurden mit drei Pickups ausgeliefert und die goldene Hardware war ja sowieso ein Muss für die Top-Modellreihen. Nur zwei LP Artisan sollen laut "50 Years of the Gibson Les Paul" 1976 gebaut worden sein, was allerdings anzuzweifeln ist. Bis 1982 waren es dann insgesamt 2200 Stück, nicht viel für sechs Jahre.

Diese Artisan ist in sehr gutem Originalzustand und kann, wie auch der OR80R, in der Lounge angetestet und erworben werden.

 

Diesen raren 68er Marshall 4x10" Bluesbreaker haben wir in den letzten Wochen restauriert. Jahrelang waren Chassis und Gehäuse getrennt, weil der Eigentümer die riesige Kiste nicht mehr zu den Gigs mitnehmen wollte und den Verstärker kurzerhand in ein Topteil eingebaut hatte. Die Frontbespannung des Combos wurde schon vor seiner Zeit mit roter Farbe besprüht und die obere Rückwand ging über die Jahre verloren.

Wir haben das Basketweave vorsichtig abgenommen und umgedreht wieder aufgezogen, von der roten Farbdusche sieht man nur noch minimale Überbleibsel. Eine neue Rückwand hält das originale Plexi-Chassis, das nur eine Inspektion und ein paar Elkos benötigte, um wieder rund zu laufen, wieder an Ort und Stelle. Die 10" Celestion Speaker vom Typ 7442 haben wir aufgearbeitet und durch zwei Speaker aus Captain's Schatzkammer vervollständigt. Jetzt ist der Amp wieder ein schmuckes Sammlerstück, mit dem man richtig viel Spaß haben kann.

Und auch die Gitarre ist eine Rarität, denn 1967 wurden verhältnismässig wenige Stratocaster gebaut. Der Grund ist nicht genau bekannt, vermutlich haben die neuen Eigentümer von CBS die Prioritäten in der Fertigung auf andere Modelle verlegt, wie z.B. die brandneuen Coronado Hollow-Body Gitarren und Bässe.

Der Halsstempel sagt zwar Oktober 1966, aber die Black Bobbin Pickups datieren auf 1967. Die Strat hat schon die grosse Kopfplatte, aber noch vier Halsschrauben. Und sie ist eine der letzten Strats mit den vernickelten Double Line Kluson Tuners, kurz darauf kamen die verchromten Schaller Tuner mit dem grossen F zum Einsatz. Im Jahr darauf stiegen die Stückzahlen wieder an, was unter Anderem an einem schlacksigen Afroamerikaner lag, der ab Ende 1966 von England aus die Musikwelt umkrempelte und am Morgen des 18. August 1969 mit seiner Version der amerikanischen Hymne die Stratocaster endgültig in den Gitarren-Olymp katapultierte.

 

Der Amp wird nächste Woche abgeholt, die 67er Strat kann man in der Lounge antesten.

 

Für die Miss Juli hab ich einen Verstärker ausgewählt, den wir für den Martin gebaut haben. Der wiederum beruht auf einem Einzelstück, das wir vor ein paar Jahren für den Lars gebaut hatten.

Lars ist Motorsport-Fan, genau wie ich. Und sein Lieblingsfilm ist Le Mans mit Steve Mc Queen, in dem er einen Porsche 917K in Gulf Racing Lackierung fährt.

So Entstand die Idee zu diesem Verstärker, der die Gestaltung der Front des 917 aufnimmt. In der Mitte die Öffnung für den Ölkühler, rechts und links die Bremsenbelüftung.

Bei diesem 917 haben wir statt dem Gulf Racing Design einen anderen Kult-Sponsor der Motorsport-Szene verewigt, das Martini Racing Team.

Schaltungstechnisch haben wir nichts verändert, man kann wieder zwischen einer EF86 und einer 12AX7 als Vorstufe umschalten, die 6L6 machen je nach Gleichrichterart 40 oder 50 Watt, und die effektive Zweibandklangregelung wird durch einen Contour-Schalter unterstützt, der in sechs Stufen die Bässe kontrolliert.

Und ganz wichtig: der Zündschlüssel auf der LINKEN Seite!

Dran angelehnt ist meine 75er Flying V, die einzige Gitarre die schnell genug ist.

Den Elfer im Hintergrund hab ich mir geborgt. Ich habs ausgerechnet: Wenn wir 277 von diesen Amps verkaufen kann ich mir auch einen zulegen ;)

 

Im Juni haben wir ein paar echte Raritäten. Die Gibson ES335TD von 1959 ist da noch am geläufigsten, es wurden immerhin 521 Stück gebaut.

Wieviele Marshall JTM45 im Offset-Gehäuse gebaut wurden weiss hingegen niemand so genau. Wahrscheinlich nur ein paar Handvoll, denn schon bald darauf wurden die Amps in die Mitte des Gehäuses montiert.

Dieser Verstärker war mit 5881 Endstufenröhren bestückt, KT66 passen da nur rein, wenn man die obere hintere Querleiste aussägt, so wie bei diesem Exemplar.

Eine absolute Rarität ist allerdings diese Marshall 4x12" Box von Ende 1964, die wir zusammen mit einem Kunden restauriert haben. Sie wurde schon einmal überarbeitet, allerdings mit falschem weissen Tolex und falschem Grillcloth. Durch seine guten Verbindungen in die internationale Marshall-Sammler-Szene gelang es ihm, originales RS-Grillcloth zu besorgen. Genauso wie originales Rexin, das ist der Vorläufer von Tolex, ein Baumwollmaterial mit einer Deckschicht aus Nitrocellulose. Das Anbringen war nicht ganz einfach, denn das Material ist sehr dünn und schrumpft wenn es feucht wird.

Auffällig ist, das die Box oben EXAKT genauso tief ist wie das Topteil, denn

diese Box ist ein Zoll weniger tief als die späteren Boxen und auch nicht ganz so hoch. Es waren nie Griffen daran montiert, über den Transport hat der gute Jim wohl nicht näher nachgedacht.

Es gab schon vorher 4x12" Boxen, allerdings immer in gerader Ausführung. Diese hier ist eine der allerersten Slanted Cabs die je produziert wurden. Abgerundet wurde die Restaurierung mit einem originalen Maroon Marshall Logo, wieder von einem befreundeten Sammler beigesteuert.

Es sind vier Celestion Alnico Speaker vom Typ T652 verbaut. Sie geben der Box diesen süßlichen Ton mit reichlich schimmernden Höhen und runden Bässen.

Im Zusammenspiel mit dem JTM45 und der 335 entsteht ein Ton, der nicht in Worte zu fassen ist, mit einer unglaublichen Dynamik und einer Dichte, die ich noch nicht gehört habe. Ich bin sehr dankbar, dass ich in dieses Projekt involviert war und diese einzigartige Kombination hören und spielen durfte.

 

Die schönsten Geschenke macht man sich bekanntlich selbst. Deswegen hat sich der Michael zum 40. Geburtstag diese T-Master bauen lassen.
Die Stars'n'Stripes sind sein eigener Entwurf, den wir mittels Schablone für ihn auflackiert und nach seinen Wünschen heftig gealtert haben.

Der Verstärker ist ein 66er Blackface Super Reverb dem wir für den Stefan ein neues Zuhause mit 2 Zehnzoll Weber Speakern gebaut haben. Das macht den Amp ein bisschen leichter und weniger sperrig.

 

Diese wunderschöne 68er Jazzmaster haben wir für den Stefan in seiner Lieblingsfarbe Ice Blue Metallic refinished. Irgendwann in den letzten 52 Jahren hat sie jemand stümperhaft in einem hellen Beige übergepinselt, sah schrecklich aus. Dazu noch neue Bünde und die Elektrik flottgemacht.

Jetzt strahlt sie mit dem 68er AC30 um die Wette.

Schöne Kombination für fast alle Stilrichtungen!

 

Miss März ist DER Neuzugang des Jahres, eine 1951er Fender Telecaster.
Die Broadcaster (rechts) ist von Ende 1950, ab Februar 1951 durften die Gitarren nicht mehr so genannt werden und der Name wurde vom Decal abgeschnitten.

Erst im September waren die alten Decals aufgebraucht und die neuen mit dem Telecaster Aufdruck wurden verwendet.

Etwa 250 Teles entstanden bis zum Ende des Jahres, die Nummer 1177 steht ab heute in der Lounge zum Verkauf. Wobei die Seriennummern völlig willkürlich verwendet wurden, die Broadcaster trägt die Nummer 0903 und es wurden nur etwa 200 produziert.

Schon toll, zwei dieser superseltenen Gitarren in der Lounge zu haben!

 

Für den Februar hab ich zwei Schönheiten aus dem Hause Fender ausgewählt, die sich hervorragend ergänzen und mit denen man viel Spaß haben könnte.

Die 72er Telecaster ist in tollem Zustand, und wär da nicht der ausgetauschte 3-Way-Switch und eine erneuerte Mechanik wäre sie perfekt. Aber auch so hat sie Twang ohne Ende, lässt sich toll spielen und beglückt mit jeder Menge Mojo.

Der Amp dagegen ist in unberührtem Originalzustand vom Erstbesitzer aus den USA. Der Mann scheint gut drauf aufgepasst zu haben, ich hab noch nie einen so perfekt erhaltenen 64er Vibroverb gesehen! Die Amps wurden nur sehr kurze Zeit gebaut und gelangten durch einen gewissen Stevie Ray Vaughan zu Berühmtheit. Man sagt, es sein sein Lieblings-Amp gewesen, natürlich reichlich modifiziert von seinem Techniker Cesar Diaz.

Dieser hier stammt aus der ersten Serie, er hat noch einen braunen Fußschalter wie sein noch seltenerer Vorgänger, der 63er Vibroverb Amp. Der hatte zwar den gleichen Namen, aber braunes Tolex und zwei 10" Speaker. Und war der erste Fender Amp mit Reverb.

Ja, man könnte Spaß haben, denn der Besitzer holt den Vibroverb nach der Inspektion in unserer Werkstatt wieder ab, wird nix draus.

Aber mit der Tele kann man sich trösten, die kann man bei uns in der Lounge ausprobieren und kaufen. Details findest Du HIER.

 

Das neue Jahrzehnt beginnt mit einer Traum-Kombination, die jeden Jazzer in Entzücken versetzen dürfte.

Die rote Lady, die da in der Wintersonne glänzt, hört auf den Namen Gibson Howard Roberts Custom und feiert dieses Jahr ihren 45. Geburtstag. Das sieht man ihr wahrlich nicht an, sie wurde viel gespielt aber immer gut gepflegt. Dass sie vor Kurzem neue Bünde spendiert bekommen hat erhöht die Spielfreude, denn die Saitenlage ist trotz der dicken Flatwound Seiten sensationell niedrig.

Das anfällige Zelluloid-Pickguard wurde rechtzeitig im Koffer eingelagert und durch eine Reproduktion ersetzt. So konnten die gefährlichen Dämpfe, die beim Zersetzen des Materials entstehen, nicht den schönen Lack und die verchromte Hardware angreifen.

Der Verstärker hat die Jahrzehnte ebenso unbeschadet überstanden und schaut aus, als wäre er frisch aus dem Schaufenster eines gut sortierten Musikalienhändlers. Dabei ist er ein wirklich rarer Geselle, denn die erste Serie Music Man 112RP Sixty-five wurde nur 1978 und 79 gebaut. Das P in der Typenbezeichnung weist auf den Phaser-Effekt hin, der im Amp eingebaut ist und per Fußschalter eingeschaltet werden kann. Echt cooler Sound!!

Nettes Detail: Der Regler, mit dem die Intensität des Effekts eingestellt wird ist mit PHASOR beschriftet und das O ist durchgestrichen. Vielleicht war Leo mal in Skandinavien im Urlaub, wer weiss?

 

Gleich ist es wieder soweit, Weihnachten steht schon vor der Tür.

Wohl dem, der seine besinnlichen Weisen auf einer so schönen Gitarre trällern kann.

Diese Gibson J-200 "Vine" stammt vom Masterbuilder Ren Ferguson, nur 27 Stück sollen zwischen 1999 und 2002 im Gibson Custom Shop in Montana entstanden sein.

Es ist das Aufwändigste, was ich je an Gitarrenbaukunst gesehen habe: Mother Of Pearl Einlagen auf der Kopfplatte und auf dem Griffbrett, extrem aufwändiges Binding am Body und am Schalloch, edelste Hölzer, und sogar die Flügel der Mechaniken sind graviert.

Bei dieser geringen Auflage hat man neben dem Spaß beim Spielen auch noch eine tolle Geldanlage!

Und wer schnell ist kann sie sich HIER noch unter den Weihnachtsbaum legen!

 

Diese 65er Fender Jazzmaster ist etwas ganz besonders. Tausende von Konzerten wurden mit ihr bestritten, denn die münchner Beat-Band Hurricans war in den Sechzigern und Siebzigern richtig gut gebucht. Manchmal hatten sie 10 Auftritte in einer Woche! Deshalb konnten sich die Jungs auch eine Jazzmaster und eine Jaguar leisten, für Normalverdiener eigentlich unerschwinglich.

Die 62er Jaguar haben wir vor ein paar Monaten hier in der Lounge angeboten und verkauft, jetzt ist die Jazzmaster dran.

Ursprünglich dachte ich, die Lackierung wäre ein vergilbtes Olympic White über Sonic Blue. Solche Doppel-Lackierungen kamen bei Fender schon mal vor.

Beim Zerlegen wurde allerdings klar, dass die Gitarre ursprünglich Sonic Blue war und einen Maching Headstock hat, die Kopfplatte also auch Sonic Blue lackiert war.

Tatsächlich ist das blau derart vergilbt, dass man es nur an den abgewetzten Stellen und unter dem Pickguard noch erkennen kann.

Gleich nach dem Kauf wurden im Musikgeschäft Barth in Stuttgart drei zusätzliche Mechaniken in der Kopfplatte montiert und Diskant-Saiten aufgezogen, um den 12-String-Sound zu erzielen, den man in den sechzigern einfach haben mußte.

Bilder und Videos der Hurricans mit dieser Gitarre gibts auf Norbert's YouTube-Channel.

Die Gitarre kann man in der Lounge kaufen, sobald das CITES-Zertifikat für das Griffbrett aus Brazilian Rosewood eingetroffen ist, den 1964er Fender Concert Amp kann man jetzt schon mitnehmen.

Die Concert Amps klingen oft noch besser als die Blackface Super Reverbs, die andere Schaltung macht sie dynamischer in der Ansprache. Und viel seltener sind sie auch, die Blackface Concerts gabs nur von Ende 1963 bis Mitte 1965. Nur ca. 8800 Stück wurden produziert, vom Blackface Super Reverb waren es immerhin rund 27000.

 

Miss Oktober ist die aussergewöhnlichste Gitarre, die wir je gebaut haben.

Für die Guitar Summit in Mannheim haben wir eine Captain RockIt mit einem dreiteiligen Mahagonie-Hals kombiniert, der eine eigenständige, geschlitzte Kopfplatte mit seitlichen Mechaniken im Stil klassischer Gitarren aufweist.

Aber das Highlight sind die White Flowers, die meine Tochter in Handarbeit auf den Body und die Kopfplatte gezeichnet hat. Dazu zwei Gibson PatentNo Humbucker aus den Sechzigern. Sie verleihen der Gitarre einen süßlichen Vintage-Ton, der durch die Wraparound Bride sehr direkt und mit reichlich Sustain rüberkommt.

Der Amp ist mein momentaner Liebling, der Captain Brown Deluxe SixtyTwo, eine Kopie des Verstärkers aus den Frühen Sechzigern. Das war der direkte Nachfolger des Tweed Deluxe aus den Fünfzigern und unmittelbarer Vorgänger des Blackface Deluxe. Der Amp hat eine unglaublich cremige Verzerrung und sticht aus all seinen Kollegen als der Most Chrunchy Amp Made in Fullerton hervor.

Beide stehen in der Lounge zum Antesten bereit!

 

Miss September entführt uns in die späten Siebziger.

Neben der Seeburg Musicbox lehnt ein 79er Gibson RD Artist Bass an einer 78er Orange 4x12" Box mit einem Ampeg V4B Topteil aus 1979.

Der RD Artist war Gibsons erster aktiver Bass. Neben den beiden Volume-Reglern gibt es einen Treble und einen Bass Regler, beide können die Frequenzen sowohl absenken als auch anheben. Zum üblichen Pickupschalter gesellt sich ein weiterer Dreiweg-Schalter mit dem entweder eine Bright-funktion aktiviert werden kann oder eine Compressor-Funktion für den Neck-Pickup und eine Expansion-Funktion für den Bridge-Pickup. In der Mittelstellung sind beide Funktionen deaktiviert, nur die aktive Klangregelung bleibt immer in Betrieb, denn der Bass hat keine Passiv-Funktion. Wer's ganz genau wissen will, auf FlyGuitars gibts eine detailierte Beschreibung.

Der Ampeg V4B war immer der kleine Bruder des SVT, ist aber wegen des humaneren Gewichtes mittlerweile beliebter als sein grosser Bruder. Dessen 300watt sind ja auch irgendwie ausserirdisch, mit gut 100Watt des V4 ist man mehr als ausreichend motorisiert.

Die 4x12" Orange Box mit den vier G12H Blackbacks setzt die elektrische Energie hervorragend in bewegte Luft um.

Insgesamt eine klassische Bassanlage mit der man für jedes Genre perfekt eingekleidet ist.

Alle Teile sind in einem sehr guten Zustand, stehen in der Guitar Lounge zum Verkauf und können gerne angetestet werden. Nur die Seeburg bleibt da.

 

Es gibt sie noch, die Schnapper, die guten Gelegenheiten, die Glücksgriffe, die Chancen. Hier ist eine.

Diese 61er Strat klingt aussergewöhnlich gut, schwingt wie der Teufel, ist völlig original und sieht traumhaft aus. Der originale Koffer ist dabei und sogar der Aschenbecher ist noch da. Und CITES für das Griffbrett aus Rio-Palisander ist auch schon gemacht.

Zusätzlich ist die Historie nachvollziehbar, denn sie wurde 1988 für das Musiker Magazin abgelichtet, das heisst heute Gitarre & Bass.

Warum sie da als 59er beschrieben wurde ist nicht klar, aber die Signatur der Abwetzungen auf der Rückseite ist wie ein Fingerabdruck und identifiziert sie zweifelsfrei.

Solche Gitarren kosten mittlerweile zwischen 27 und 30 Kilo-Euro, und wäre der jetztige Besitzer nicht in Geldnot, würde er sie sicherlich nicht veräußern.Denn das hier ist eine tolle Geldanlage für das Alter, mit der man auf dem Weg dahin auch noch jede Menge Spaß haben kann.

Aber so gibt er sie zum Festpreis von 22997,- Euro ab, und wäre ich flüssig hätte ich sie gleich selbst verhaftet :(
Auch, weil sie so gut zu meinem 61er Super Amp passt, dessen Tolex ist 100% identisch mit dem auf dem Koffer dieser Gitarre und wurde nur bis Mitte 1961 so verwendet.

Also, denkt nicht lange nach, wer sichs leisten kann und eine gute alte Strat sucht macht hier nichts verkehrt. Und jammert mir bloß nicht in fünf Jahren die Ohren voll, dass die alten Slabboard Strats nicht mehr bezahlbar sind ;)

 

Miss Juli ist eine echte Rarität, nur 150 Stück wurden zum vierzigsten Geburtstag der Stratocaster im jungen Fender Custom Shop hergestellt und an ausgewählte Händler, sogenannte Diamond Dealers ausgegeben.

Die Jungs haben alle Register gezogen, getiegerte Ahorndecke, Birdseye Maple Neck und 24 Karat Gold soweit das Auge reicht. Sogar die Polepieces der Pickups sind vergoldet! Das Pickguard ist aufwändig graviert und auch die Einlage am 12. Bund ist unglaublich fein gearbeitet.

Diese Gitarre stammt aus erster Hand und wurde kaum gespielt, denn die hauchdünne Goldauflage ist noch komlett erhalten. Und das trotz ihres 25. Geburtstags!

Der Captain High Power Tweed Twin ist dagegen fast schon langweilig, wäre da nicht dieser druckvolle Ton, diese Energie und diese Ansprache, die kein anderer Tweed Amp zu bieten hat.

Die Strat kann man sofort mitnehmen, auf einen Captain FTTHP59 muß man drei Monate warten. Lohnt sich aber ;)

 

Miss Juni ist für die Perfektionisten unter euch. Diese Paul Reed Smith Private Stock Semiacoustic ist eine der aufwändigsten Gitarren, die wir je in der Lounge hatten. Paul's Extraordinary East Coast Curly Maple Top im Faded Indigo Finish, das ist nicht zu toppen! Ausser vielleicht durch das Binding an Hals und Kopfplatte und den Mother Of Pearl Bird Inlays. Diese Gitarre ist ein Kunstwerk, ein Ausstellungsstück, eine Skulptur.

Der Mesa Boogie MKIII mit dem Gehäuse aus Flamed Walnut passt da gut dazu.

Volle Hütte mit allen aufpreispflichtigen Optionen: Graphic EQ, Reverb, Simul Class Endstufe und Electro Voice EVM12L Speaker, mehr ging damals nicht.

Carlos Santana hat bewiesen, dass diese Kombination bestens funktioniert.

Beide kosteten zu ihrer Zeit soviel wie ein Kleinwagen, sind jetzt relativ erschwinglich und in der Lounge käuflich zu erwerben.

Und bei beiden werden die Preise wohl kaum mehr sinken, ein Investment mit hohem Spaß-Faktor!

 

Alles neu macht der Mai, sagt der Volksmund. Zum Glück stimmt das nicht, wär schade um diese 56er Les Paul Junior. Selten eine so originale, stimmige, inspirierende, gut klingende und üppig schwingende Gitarre in der Hand gehabt.

Für 63 Jahre ist der Zustand sehr gut, auch wennn sie reichlich Gebrauchsspuren aufweist. 3129 Stück wurden 1956 gebaut, die günstigste Gitarre der Les Paul-Reihe war die meistverkaufte. Aber nicht viele haben die Zeit so original überstanden, selbst die ersten Bünde sind noch gut spielbar.

 

Der 54er Gibson GA40 mit dem Zusatz Les Paul ist viel seltener, und auch er hat die Jahre erstaunlich gut überstanden. Schaltungstechnisch ist er einem Fender Tweed Deluxe sehr ähnlich, allerdings verträgt er sich wesentlich besser mit Humbucker-Gitarren. Und auch mit dem P90 der Junior erzeugt er diesen süßlichen Ton, der einen nicht mehr losläßt.

 

Sich eine Gitarre von einem Fender Masterbuilder bauen zu lassen ist eine besondere Sache, meist nur den Top-Stars unter den Gitarristen möglich und sicher mit einer nicht unerheblichen Summe an Dollars und unendlicher Wartezeit verbunden.

Da trifft es sich gut, wenn man für den deutschen Fender-Vertrieb arbeitet, öfter mal in Corona verweilt und die Masterbuilder persönlich kennt.

Und so hat sich Helmut Köster 2005 einen Traum verwirklicht.

Wie er mir bei einem Besuch in der Captain Guitar Lounge erzählt hat, war eine Fender Jazzmaster in der Custom Colour Simenole Red, die er in den Sechzigern in einem Schaufenster eines Musikladens gesehen hat, der Auslöser, einen Job bei Fender Deutschland anzunehmen. Und nach 41 Jahren bei Fender hat er sich eben jene Gitarre im Custom Shop nachbauen lassen. Aber nicht von irgendeinem Masterbuilder, sondern vom Master aller Masterbuilder, quasi dem Gründer des Fender Custom Shop, dem 2007 viel zu früh verstorbenen John English.

Und weil der Helmut eigentlich Schlagzeuger ist hat er diese Gitarre nie gespielt, sondern in seinem Musikzimmer an die Wand gehängt.

Und so sieht sie auch aus, quasi unberührt mit nur minimalen Plektrumspuren auf dem Pickguard. Kaum zu glauben dass sie am 25. April ihren vierzehnten Geburtstag hat!

Der Verstärker ist zwei Jahre jünger und nicht minder exotisch. Gary Onofrio baut sie wieder auf Anfrage, die Sonny Jr. Amps, aber dieser hier war eine Sonderanfertigung für Swissisippi Chris Harper, einem Schweizer Harp-Spieler und Wahl-Amerikaner. Obwohl der Amp für Blues Harp ausgelegt ist klingt er auch mit einer Gitarre sensationell. Kein Wunder bei dieser Bauteilauswahl!!

 

Miss März sind gleich acht Fender Stratocaster, gebaut zwischen 1977 und 1981.

(vlnr: 1977 Sunburst Hardtail, 1978 Sunburst, 1978  Natural Hardtail, 1978 Sunburst Hardtail, 1979 Sunburst, 1981 Black, 1981 Natural, 1981 Sunburst)

Diese Gitarren haben einen zweifelhaften Ruf, wie ich finde oft zu Unrecht. Klar, manche sind schwer wie ein Anker, haben miserable Halspassungen und klingen ein bisschen dünn. Aber das Märchen, dass die Dreilochverschraubung schlechter wäre als die mit vier Schrauben ist einfach falsch. Wenn der Hals in der Tasche flach aufliegt und nicht durch die Tilt-Schraube den Kontakt zum Body verliert, haben auch diese Gitarre ordentliches Sustain und ausreichend Bässe. Noch sind die Gitarren aus dieser Zeit relativ günstig, und wer sich jetzt ein originales Exemplar in sehr gutem Zustand zur Seite legt, macht in Zeiten in denen man über Strafzinsen auf Ersparnisse nachdenkt sicher nichts verkehrt.

Und was nach 1981 von Fender USA kam hatte lange Zeit mit einer Stratocaster nicht mehr viel gemeinsam.

 

Im Hintergrund sieht man einen 79er Super Reverb und einen 76er Vibrolux Reverb, beide eine perfekte Ergänzung zu jeder Strat.

 

Miss Februar ist schon wieder eine Gibson Les Paul und schon wieder ein Marshall. Ja fällt dem Captain denn garnichts anderes mehr ein?

Naja, im Prinzip schon, aber...

Die Paula ist ein schönes Exemplar aus 1974, ist in der Lounge On SALE und ich frag mich immer, warum die Leute lieber nachgemachte Gitarren aus dem Custom Shop kaufen, anstatt ein Original. Die Custom sieht gut aus, klingt mit ihren T-Top Humbuckern sensationell, ist nicht zu schwer und macht reichlich Spaß. Nebenbei kann man mit ihr sein Geld sicher besser anlegen als auf jeder Bank, und im Gegensatz zu neuen Gitarren kann sie eigentlich nicht an Wert verlieren.

Das Eigentliche Highlight auf diesem Bild ist allerdings der Verstärker. Dieser frühe Marshall Combo wird oft als Bluesbreaker bezeichnet, das trifft aber eher auf die Amps der zweiten Serie zu, von denen der Eric einen in seiner Zeit bei John Mayall gespielt hat. Er hatte auch einen aus der ersten Serie, den mußte er allerdings bei seiner überstürzten Abreise nach einer Griechenland-Tournee dort zurücklassen.

Angeblich hat Jim Marshall nur deshalb einen Combo gebaut, damit er in den Kofferraum von Eric's Auto passt. Bei den Abmessungen dieses Gerätes muß der allerdings ein ziemlich großes Auto gehabt haben und zudem ordentlich Muckies, denn der Amp ist sehr schwer und total unhandlich.

Dieses Exemplar ist nach 54 Jahren in einem unglaublich guten Zustand und klingt Dank der Celestion Alnico Speaker viel cremiger und runder als die späteren Combos mit den Greenbacks. Das Block Logo, die Clapton Knobs und das Radio Spares Grillcloth datieren den Verstärker die Jahreswende 1964/65.

Der Amp steht nicht zum Verkauf.

 

Mit zwei Klassikern eröffnen wir das neue Jahr.

Die Gibson SG stammt von 69 oder 70, so genau kann man das bei Gibsons aus dieser Zeit nicht sagen, die Seriennummern wurden bunt durcheinander-gewürfelt und oft mehrfach vergeben. Und die Poticodes sind ziemlich unlesbar. Das Lyre Vibrato arbeitet in etwa so präzise wie ein Bigsby, schaut aber noch geiler aus! Leider hat sich die Lady mal ordentlich den Hals gebrochen, aber offenbar war ein guter Chirurg am Werk, sie schwingt immer noch sensationell und hat nichts von ihrer Dynamik verloren.

Ein Laney Supergroup ist an sich schon selten, aber die Raritäten sind immer die Boxen, es gibt wesentlich mehr Topteile am Markt.

Dieses 60W Topteil stammt von 1972, die G12M Greenbacks in der schrägen Box von Ende 1971.

Zusammen generieren sie den typischen 70ies Hardrock-Sound, Tony hätte sicher seine Freude daran!

Das Halfstack kann man hier kaufen, die SG kommt in den nächsten Wochen On Sale.

 

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