What NOT to do

Beim Ampservice ist Erfahrung das A und O. Es dauert ziemlich lange bis man sich halbwegs auskennt. Und jeder Verstärker hat neue Überraschungen parat. Oft ist es zum Haare raufen und speziel Fehler, die nur zeitweise auftreten, sind sehr schwer zu beheben.

 

Aber es werden auch immer wieder grundlegende Fehler bei der Reparatur von Röhrenverstärkern gemacht. Hier ein paar Beispiele, alle aus EINEM (!) Amp:

Vier Fehler in einem Bild:

Die Gleichrichterdioden in diesem Twin Reverb wurden durch 1N4003 ersetzt. Sie vertragen 200V. Leider haben wir hier ein paar Volt mehr, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie sterben.

 

Und eine 1N4007, die 1000V verträgt, kostet genausoviel wie eine 1N4003, SO WHAT???

 

 

Irgendwann ist mal das Humbalance Poti abgraucht und durch diesen schmucken Kohlepresstrimmer ersetzt worden. Das funktioniert so lange bis der Schleifer oxidiert ist. Dann ist die Heizung massefrei und es brummt wie der Teufel.

 

Also: Immer ein Drahtpoti mit mindestens 1W Belastbarkeit oder gleich zwei 100Ohm Widerstände.

 

 

Und hier etwas, das ich überhaupt nicht verstehe:

Die Elkos in einem Amp stammen meist alle aus der gleichen Charge, wurden am selben Tag eingebaut und haben exakt gleich viele Betriebsstunden.

Wenn einer defekt ist, wie lange halten dann die anderen noch?

 

Also: Immer ALLE Elkos ersetzen!

 

 

Und hier die absolute Nummer Eins:

Nachdem wohl der Röhrensockel abgebrannt war und erneuert wurde waren offensichtlich nicht die richtigen Widerstände zur Hand:

Der große 1.5k ist der Gitterwiderstand (rotbraun). Da fließt eigentlich kein Strom, ein 1/2W Kohlepresswiderstand hätte genügt. Und wenn man ihn noch ganz dicht ans Gitter gelötet hätte wäre es richtig gut, denn das verhindert parasitäre Oszillationen.

Aber der 470Ohm Schirmgitterwiderstand darf gerne 2W aushalten dürfen. Aus diesem Gund ist der kleine grüne Freund hier auch schon ein bisschen verkokelt und es ist nur eine Frage der Zeit bis der Amp den Dienst quittiert.

 

 

Hier noch der Gewinner in der Kategorie Geht's Noch?? :

Scheinbar waren die passenden axialen Elkos nicht vorrätig, drum hat der professionelle Verstärkerreparateur geschwind vier Löcher in den Kondensatordeckel dieses Fender Pro Reverb gebohrt und Elkos aus der Krabbelkiste montiert.

Da die Elkos in Reihe geschaltet sind war klar, dass die linken beiden isoliert montiert werden müssen, sonst gibts ja einen Kurzschluß.

Das aber an deren Gehäuse geschmeidige 240V Gleichspannung anliegen hat den geübten Schrauber wohl nicht interessiert, frei nach dem Motto: Nur die Harten kommen in den Garten! ;)

Gewinnspiel

In dem Bild sieht man die Elkos eines Super Reverb von Mitte 1968.

Abgesehen davon, daß man immer ALLE Elkos wechselt, sind hier zwei Fehler gemacht worden.

Der (oder die) Erste der mir ins Gästebuch schreibt und BEIDE Fehler gefunden hat gewinnt einen Gutschein für die Inspektion eines Röhrenverstärkers im Wert von 40 Euro!

 

Viel Glück!

Captain

 

 

Und hier die Auflösung:

1) Die beiden Elkos haben im Original 70uF/350V und sind in Reihe geschaltet. Das ergibt eine Kapazität von 35uF bei 700V. Bei einer Reihenschaltung ist die Gesamtkapazität immer kleiner als die kleinste Einzelkapazität und berechnet sich aus dem Kehrwert der Summe der Einzelkehrwerte.

Macht in unserem Fall 27uF. Das sind 23% zuwenig.

 

2)  Aber viel schlimmer ist, daß der linke Elko VERPOLT eingebaut wurde! Glück gehabt, denn wenn man Elkos falsch rum polt gehen sie gern mal richtig aus sich heraus, und das gibt neben einem feinen Knall auch eine riesen Sauerei!

 

Leider hat das niemand gewußt, aber vielleicht war die Aufgabe auch zu schwer.

Nächstes mal wirds einfacher, versprochen ;)

 

.... einen hab ich noch!

Sensationell: Weil der alte Elko nicht mehr so gut ist baun wir einfach einen dazu!

Der ist aber dummerweise ein bisserl zu groß, so daß wir was vom Boden rausstemmen müssen. Besonders geil find ich aber, dass der dicke Neue nur 380V verträgt. Wenns den zerreißt sprengt er ein Loch in den Ausgangsübertrager!

 

 

Auch nicht schlecht:

Beim Einbau eines Vorschalttrafos in einen USA-Amp einfach die Schuztleiter abzwicken, funkioniert ja auch ohne! :)

Und Zugentlastung ist eh nur was für Mädchen.

 

 

 

 

 

Man kann also viel falsch machen. Und wenn bei eurem 'Tube-Amp-Profi' auch Toaster rumstehen, Waschmaschinen und Fernseher, dann nehmt euren Liebling lieber wieder mit und geht zu jemandem der sich mit sowas auskennt :)